Montag, 10. November 2008

Astronautenmodus

Ich bin mal wieder abgekoppelt und spiele Astronaut, meine Reaktion auf meinen steigenden Weltekel. Da hilft nur Fernseher aus, seit neuestem habe ich einen, Internet aus und mit einem guten Buch auf die Couch. Aber bloss nichts von Knipfel, Bachmann oder Bukowksi, das macht in solchen Phasen nur krank und kann sich schnell in der Heerschar derer einreihen, die einfach nur noch kotzen möchten.
Nachdem ich jetzt die Terrarch-Reihe und Grüezi Gummihälse durchgeackert habe geht mir langsam der Lesestoff aus. Was jetzt? Eine Kiste Bier kaufen, killen und dann wieder mal Ulysses lesen? Liest sich übrigens angetrunken recht flüssig, wie ich in meiner Zeit als Buchhändler nach einem durchzechten Mitarbeiteressen feststellen konnte.
Wenn ich daran denke was in meinem Regal noch alles rumgammelt, da warten noch unzählige Bücher darauf gelesen zu werden, vom Buch der fünf Ringe und einem Roman über Myamoto Musashi und zig anderen. Das Leben ist einfach zu kurz.

Eben, wenn einem die Welt aneckelt und übervölkert von Idioten vorkommt und man merkt, dass man selber auch dazugehört, dann empfielt es sich die Wohnung zur Burg auszubauen, Lebensmittel horten und den Kontakt zum Weltgeschwür auf ein Minimum zu reduzieren.

Tja und was geht sonst noch so? Trotz allem einiges, eine gute Freundin der es sehr schlecht geht und bei der die Zukunft mehr als nur ungewiss ist. Als aussenstehender ist man regelrecht dazu verdammt zuzusehen und zuzuhören, weil einfach nicht mehr tun kann. Und es kotzt mich an.
Aufgrund ihres Zustandes und einiger anderer Umstände bahnt sich eine weitere Krise im Umfeld des Stammtisches an. Da kommt doch Freude auf, aber was will man machen.

Wenigstens läuft es auf der Arbeit rund, da ich ja nicht mehr temporär angestellt bin sondern einen festen Job habe, muss ich nicht beim Gedanken an den nächsten Monat zittern. Ist schon seltsam, erst anderthalb Monate im neuen Job und mir kommt es vor als wären es Jahre.
Wenigstens geht es da einigermassen gut.

Hm, da gibts einiges was mich noch ankotzt, wenn ich es lasse, ansonsten prallt das momentan von meine mehrere Kilometer dicken geistigen Schild aus mentalem Panzerstahl ab. Jedenfalls werden die Dinge so lange darauf Beulen hinterlassen, bis ich die Zeit habe mich mit ihnen zu befassen. Nur eine Frage der Zeit.

Und was war da noch? Hm, die Finanzen stabilisieren sich langsam, dank neuem Job neigt sich die Zeit als Hungerkünstler dem Ende zu. Es ist schon fast seltsam in einer gewissen Sicherheit zu leben, nachdem ich jahrelang als Jobhopper überleben musste. Irgendwie fühlt es sich fast krank an, sich keine Sorgen für den nächsten Monat mehr machen zu müssen, soviel Zeit zu haben, denn vorher ging die meistens für Bewerbungen drauf. Eine Gewöhnungsfrage.

Dann ist da noch eine Freundin zu der ich vollkommen den Bezug verloren habe. Der Kontakt ist mittlerweile eingeschlafen, weil ich es müde bin mich über Banalitäten zu unterhalten. Banalitäten, weil sobald das Thema auf was ernsteres kommt eskaliert der Dialog. Auch mag ich ihre doppeldeutige Art nicht mehr, früher konnte ich darüber hinwegsehen, aber mein Toleranzlevel ist seit einiger Zeit ziemlich im Keller. Auf verpackte doppeldeutige Botschaften reagiere ich seit längerem extrem gallig.

Und da gibt es noch Leute an die man irgendwie gebunden ist, die man irgendwie mag, aber nur Ärger bereiten. Da trifft es ein Zitat einer Figur von Terry Pratchett, Rincewind der Zauberer, genau auf den Punkt:


Sinngemäss aus die Farben der Magie:

Wenn es das schlimmste Übel ist, dass einem zustossen kann, vom Blitz getroffen zu werden, dann ist an euch gebunden zu sein, als ob man in einem Gewitter bei strömendem Regen in einer nassen Kupferrüstung auf den höchsten Berg in der Gegend steigt und mit lauter Stimme verkündet: alle Götter sind Vollidioten!

So, das waren mal meine sarkastischen Fünf Minuten für Heute.

3 Kommentare:

Hexe hat gesagt…

Wenn man sich zu weit voneinander entfernt hat, bleiben nur noch Banalitäten. Darauf habe ich auch keine Lust. Deshalb melde auch ich mich bei vielen "Freunden" nicht mehr.

Margo

Die Krähe hat gesagt…

Hi Sir,

Was soll ich sagen, mir geht es zur Zeit ähnlich.

Vielleicht liegt es am zu viel Denken...Nicht-Denker scheinen solche Phasen ja nach meinen Beobachtungen nicht zu kennen.

Da mir aus dem Grund im Moment die Neigung fehlt, adäquates sozialverträgliches Verhalten (sprich Selbstverleugnung) an den Tag zu legen, hab' ich mir auch meine Burg gebaut, mit viel Lesestoff und einigen wenigen Menschen, die ich zur Zeit ertragen kann (und denen ich mich in der Gefühlslage zumuten kann!)

LG
Crow

Sir Mauriac hat gesagt…

Ja, Aber das gute daran ist, es sind Phasen. Die gehen vorbei.

Sobald ich mich für einen Wiedereintritt entschieden habe, fange ich mal an die Stöckchen und Awards aufzuarbeiten. Momentan fehlen mir einfach Zeit und Lust dazu.