Sonntag, 10. Januar 2010

Leben statt Quatschen

Das Heidentum, oder Neo-Paganismus. Vordergründig tolerant solange es nicht um Christen oder Vertreter von Menschen geht die einem nicht ins Welbild passen. Seit Jahren streife ich durch die Welt der Internetheiden, gehe auf Heidentreffen, bin Mitglied in der alten Sitte und führe seit einem Jahr ein paganes Webforum. Die Problematik die ich jedoch dabei antreffe ist meist dei gleiche und mit Glauben in dem Sinne hat das Ganze eigentlich nicht immer was zu tun. Dabei wäre es so einfach wirklich eine Alternative zu schaffen. Ich meine warum sollten Heiden sich durch weiss der Geier was abheben von der Masse oder abgrenzen? Warum? Wir sind doch letztendlich auch ein Teil der Gesellschaft in der wir leben, ist das woran wir glauben wirklich so gross, dass das jetzt einen so wahnsinnigen Unterschied macht? Naja, so hat es im Christentum auch angefangen, aber wollen wir wirklich ausgetrampelte Pfade beschreiten die genau dahinführen zu dem was wir kritisieren? Dogmatismus, Machtspielchen, Klerus und vieles mehr?
Wir brauchen keine Lobby, ich wüsste nicht für was, denn der Glaube tendiert dazu kugelsicher zu sein und die Verfolgung von glaubenden Menschen hat noch nie etwas gebracht noch den Glauben ausgerottet. Eine Lobby braucht man für die Politik, wenn man Einfluss nehmen will und, das unterstelle ich jetzt mal, eine kirchenähnliche Struktur mit Hohepriestern und Dogmen bilden will. Aber das halte ich bei den Heiden für schlichtweg unmöglich, weil dafür müsste man alle auf eine Linie trimmen, also auf einen gemeinsamen glaubenstechnischen Nenner bringen, so wie das in den frühen Kirchenkonzilen gemacht wurde. Da die Heiden jedoch sehr stark individualistisch veranlagt sind, da keine Priesterschaft eine einheitliche Lehre vorgab, sind auch die Ansichten in Punkto Glaube sehr unterschiedlich. Ein guter Freund bezeichnete das mal als drei Heiden Fünf Meinungen. Aber darin liegt auch die Stärke, das nimmt jeglichen machthungrigen Möchtegerntheokraten den Nährboden, sprich eigentlich zerstört das die Grundlage einer totalitären Glaubenswelt.
Nichtdestotrotz versucht man seit Jahren für die Heidenwelt eine Vertretung gegen aussen aufzubauen und das betrifft jetzt nicht nur Gestalten wie Geza von Nemeny, seines Zeichens selbsternannter Obergode und Heidenpapst, der auf Du und Du mit allen Göttern ist und allen seine Sicht der Dinge ungefragt auf die Nase bindet, sondern auch andere.
Es begann eigentlich mit unserer Aktion gegen den Missbrauch religiöser Symbole durch Rechtsextremisten, der Start war gut, aber jetzt im Nachhinein sehe ich, dass die ganze Sache von vorneherein zum Scheitern verurteilt war, denn letztendlich wurde viel gequatscht, zuviele Alphatiere auf einem Haufen und eine Person, die nichts besseres weiss als einen rechtsextremistisch vorbelasteten, kontroversen und stalkenden Forentroll in eine Aktionsgemeinschaft zu bringen, die sich gegen rechtsextreme Umtriebe richtet. Dazu kam auch noch, dass sich diese Aktion in eine Richtung entwickelte, die so gar nicht vorgesehen war, grosses Tratra, T-Shirts und noch vieles mehr. Auch wurde nicht berücksichtigt, dass gewisse Leute nicht im Internet zu Hause sind und sich auch ihr Leben nicht dort abspielt, sondern im realen Leben mit Arbeit, Haushalt und Familie. Das Resultat lag auf der Hand und es kam zum Big Bang. Doch kurz darauf schöpften wir nochmals Hoffnung, denn im Zentralrat der Heiden hätte es weitergehen können, gesitteter, ruhiger und ohne Profilierungssucht. Leider kam es auch hier anders, statt das man langsam mal kleine Brötchen buck, ging es hier schlussendich auch wieder darum einen Verein zu gründen der die Heiden nach aussen vertritt. Da auch noch der Störenfried Nummero Uno auftauchte und die Arbeitsbelastung im Büro stark zunahm klinkte ich mich aus der Diskussion aus um abzuwarten bis der Wahn vorüber war.
Und nun ist er vorüber, wieder ein Big Bang, wieder viel Gerede und Politik, Intoleranz, Dogmatismus und vieles mehr, nur um den Glauben schien es nicht wirklich zu gehen.
Ich nutzte derweil die Zeit um meinen Glauben auszuleben und zu pflegen und das bedeutet LEBEN.
Ich nahm an Sumbel teil, trank mit Freunden auf die Götter und genoss schöne Momente, marschierte in den Rauhnächten mit dem Totenheer und ging in mich selbst.
Das alles ist mir viel wichtiger als auf Esoteriker zu schimpfen, oder jemanden als "falschen" Wicca zu bezeichnen oder andere dümmlich, intolerante Haarspaltereien. Letztendlich lebt jeder seinen Glauben auf seine Art und solange er niemanden damit Schaden zufügt ist es richtig. Vor allem, kann doch keiner sagen wie der Glaube richtig ist, oder wie man ihn korrekt lebt, das weiss jeder selber am Besten und wenn man ihn nicht traditionell lebt, dann erschafft man somit etwas Neues. Das ist der Wind der Veränderung und der sind meiner Meinung nach sowohl das Bild das wir uns von den Göttern machen und auch die Riten gleichermassen unterworfen.

Lasst die Leute leben und lebt euer Leben.

Montag, 4. Januar 2010

Das Totenheer zog durch das Land

Die Friesen sin dür ds Stafel zogen, Mit Wyb und Chind, es ganzes Rych...Am Aben druf was är en Lych. (Übersetzung aus dem Höchstallemannischen: Die Friesen zogen durch den Stall, mit Weib und Kind, ein ganzes Reich... Am Abend darauf war er eine Leich.)

So jedenfalls kündet die Sage vom Friesenweg, die eigentlich von nichts anderem handelt als vom Wüetisheer oder der Wilden Jagd. Der Senn liess seinen Meisterknecht und die beiden Unterknechte allein auf der Alp zurück, aber schärfte ihnen ein die Stalltüren offen zu lassen, damit das Friesenvolk passieren kann. Der Meisterknecht jedoch wusste nichts besseres als beide Stalltüren zu verriegeln um die Worte des, seiner Meinung nach, abergläubischen alten Schwätzers Lügen zu strafen. Was er aber nicht wusste war, dass der Stall auf dem alten Friesenweg errichtet worden war und dass das Totenheer zur Wintersonnenwende aus den Gräbern steigt um durch das Land zu ziehen.
In der Nacht kam plötzlicher Lärm auf, zuerst wie ein sanftes Grollen in der Ferne, dann das Stampfen von Füssen, lautes Klingeln und Klirren, Hörner wurden geblasen, so als ob ein ganzes Heer nahte. Die Knechte waren wie gelähmt vor Angst und wagten es nicht sich zu rühren.
Da wurde plötzlich, wie von Riesenhand, ein Schlag gegen die Tür geführt, dass der Stall nur so bebte und eine geisterhafte Stimme von draussen rief: "Tüet uf die Tür, wan d`s Friesenvolch wott grad derdür!" (Macht auf die Tür, denn das Friesenvolk will hindurchziehen!).
Zu Tode erschrocken und starr vor Angst kauerten die Knechte sich auf dem Heuboden zusammen und keiner wagte es sich zur rühren.
Da fuhr ein zweiter Schlag gegen den Stall, dieses Mal so schwer, dass nicht nur der Stall erbebte, sondern sich auch das Dach mitsamt den Zentnerschweren Steinen hob und die Knechte über sich den Sternenhimmel sahen. Wie von Geisterhand sank das Dach langsam wieder zurück. Da wurde sich der Meisterknecht bewusst was er angerichtet hatte und beschloss das wieder gut zu machen, was er in seinem Übermut am Totenvolk verbrochen hatte. So stieg er dann hinunter in den Stall und öffnete halb tot vor Angst die grossen Stalltüren. Kaum war die Tür offen wurde sie aufgestossen und an ihm zogen Scharen von bewaffneten Kriegern vorbei, dann folgten Reiter und Hunde, dann folgten abermals Krieger. Zum Schluss folgten Frauen und Kinder. Der gespensterhafte Zug schien kein Ende zu nehmen und war erst verschwunden als das erste Morgenrot die Berspitzen umspielte. Dann schlich der Meisterknecht am ganzen Leib zitternd zu seinen Unterknechten hinauf und erzählte ihnen was er gesehen hatte. Und am Abend war er eine Leiche.

Soviel zur Sage.

Wir beschlossen diesmal ins Turbental auf den Schauenberg zur nahen Ruine zu ziehen. Ein ansässiger der alten Sitte hatte uns die Hütte in der Nähe reserviert und dafür gesorgt, dass wir sie für uns alleine hatten. So kamen wir denn aus der Region Basel, aus dem Seeland und der Region Zürich um diese besondere Nacht auf sehr eigene Art zu feiern.
Nach etwa anderthalb Stunden Autofahrt schleppten wir Trycheln, Hörner, Kuhglocken, allerlei seltsame Gewänder und natürlich Lebensmittel und Bier für eine ordentliche Feier den tiefverschneiten Hügel hinauf. Der Schnee war nicht ganz ohne, ständige Rutschgefahr und die Kälte war beissend. In der Hütte selber hatte zum Glück schon jemand für ein anständiges Feuer im Ofen gesorgt, so dass die enge Küche und die gute Stube gut beheizt waren. Es war nur noch eine Frage nicht einmal einer Stunde bis wir den ersten Kaffee kochten um die halbgefrorenen Glieder wieder aufzuwärmen. Nach einer ersten kalten Mahlzeit mit Brot, Wurst, Schinken und Käse, begannen wir mit den Vorbereitungen. Zum einen mussten wir unsere Ausrüstung für den Trychelzug bereitlegen und zwar so, dass wir sie auch in finsterster Nacht wiederfinden würden und auch die Küchenmannschaft begann mit den Vorbereitungen fürs Abendessen.
Die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit nutzten wir ganz verschieden, zum einen wollten einige die Ruine besichtigen und andere wiederum zogen einfach die Wärme, Kaffee, Bier und gute Gespräche vor.
Als dann die Dunkelheit langsam über das Land zog, kam Unruhe auf, denn ab jetzt konnte man jederzeit von der Totengöttin zum Heer befohlen werden, das war auch das vereinbahrte Signal, dass es losging. Sie kam und Auftritt war einfach göttlich, Gespräche endeten mitten im Satz, Bier wurde abgestellt und jeder von ihr berührte ging stumm aus der Stube. Nun waren wir tot und kein Leben würde uns mehr erfüllen bis die Sonne wieder aufging. Stumm kleideten wir uns ein, verschmierten uns die Gesichter mit Russ und stiegen mit unseren Instrumenten hinauf in den Hof der Ruine. Nach einem kurzen Ritual ging es los, ganz vorne der hirschköpfige Hornträger, dann der Trommler gefolgt von den Trichlern und den Glocken. Dahinter und ohne festen Platz in der Formation die restlichen Hornbläser. So zogen wir los, mit russverschmierten Gesichtern, teils bis an die Zähne bewaffnet und in Gewandungen längst vergangener Zeiten. Die Zeit dehnt sich, man verfällt in eine Trance, eine Stunde wird zur Ewigkeit. Man spürt kaum noch die Kälte, auch der Schmerz verfliegt mit der Zeit und manchmal hat man das Gefühl nicht allein zu sein. So drehten wir unsere Runde und kamen ins Haus zurück, doch nicht mehr als die Männer die man kannte, sondern stellvertretend für die Geister der Ahnen. Mit einem Höllenspektakel kamem wir lärmend in die gute Stube, voller Schnee und furchterregend. Wie die Barbaren drängelten wir, wie zuvor vereinbahrt mit allen, die Gäste von den Bänken und Stühlen und brüllten nach Bier und Fleisch. Wie ausgehungerte, das musste keiner mehr spielen, stürzten wir uns teils mit blossen Händen auf Schinken, Sauerkraut, Brühwurst und Kartoffeln. Laut schmatzend unterhielten wir uns darüber wie wer abgekratzt war, liessen uns vollaufen und sangen wüste Lieder. In der Stube hallte das rauhe Gelächter der Geister, auch Bozis genannt, wider, bis wir wieder aufbrachen. Normalerweise wäre dies der Punkt wo wir einen interessierten entführen würden, der müssten dann mit dem Heer mitmarschieren in der nächsten Runde, aber dieses mal nicht. So zogen wir noch zwei Male hinaus, bis wir zerschunden, erschöpft und alkoholisiert am frühen Morgen entweder in der Bettstatt oder auf Bänken zusammensanken und in einen komatösen Zustand verfielen.
Der nächste Morgen, der Anblick ist nie schön. Alkoholmissbrauch, Schlafmangel und die Anstrengungen haben deutliche Spuren bei den meisten hinterlassen, immerhin auch dieses mal ohne Zahnverlust und andere Verletzungen, aber gezeichnet von der Nacht. Denn körperlich ist die Sache nicht ohne, dass merkte auch einer an, der dieses Mal zum ersten mal mitzog. Man sollte es sich gut überlegen auf was man sich da einlässt. Doch Blessuren gehören irgendwie dazu, auch mein Schienenbein schloss bekanntschaft mit einer Steintreppe, ein Bluterguss als Resultat, und zwei mal erwischte es mich etwas unglücklich beim Sturz, als Folge rammte sich die Parierstange meines Schwertes zweimal in die Seite, gibt wahrscheinlich auch einen blauen Fleck. Auf jeden Fall besser als letztes Jahr wo ich mir fast den Arm ausgehängt habe.
Irgendwie ist es auch Extremsport, aber spirituell enorm bereichernd und energetisch erst recht. Jetzt wo ich das hier niederschreibe bin ich zwar halbkrank, mein Körper schmerzt fast überall, aber ich fühle mich pudelwohl und so richtig mit Kraft erfüllt.

Dienstag, 29. Dezember 2009

Paganrealm-story: und es geht weiter

Vor ca. einem Jahr kam es zu einem Knall, eine Eruption hinter den Kulissen die das bisher Dagewesene erschütterte. An Nettigkeiten wurde gegenseitig nicht gespart, doch eine wüste Drohung gab den Ausschlag die Taktik der vermeintlich verbrannten Erde anzuwenden. In jener Nacht löschten die keltische Krähe und ich gemeinsam unser Forum, löschten sämtliche Daten auf die wir Zugriff hatten, inklusive der Backups auf dem Server. Noch zu früher Stunde schrieb ich eine SMS an einen guten Kumpel, von dem ich wusste, dass er gerade ein grösseres Projekt erledigt hatte und wieder im Lande war und fragte ihn freundlich ob er mir helfen könnte bei meinem Problem. Schon nachdem ich ausgeschlafen hatte erhielt ich eine positive Antwort und so begannen wir in einer weiteren Nacht und Nebelaktion das Forum wieder neu aufzusetzen. Als erstes musste die Umleitung weg von der Seite, wo er seine Version der Geschichte erzählte, also warum das Forum weg war und das ich und Keltenkrähe natürlich alles kaputt gemacht hätten weil wir halt ganz böse, undankbare Menschen seien. Überbordend vor Grosszügigkeit bot er an, dass wenn wir ganz lieb darum bitten/betteln würden erhielten wir noch ein Backup und könnten so den Usern zuliebe den Betrieb fortsetzen. An diesem Punkt fragte ich mich allen Ernstes: für wie blöd hält der uns eigentlich? Ich hätte diese Aktion niemals durchgezogen ohne ein Backup sicher in meinen Händen zu wissen und ganz zu schweigen nicht ohne einen Plan B im Hinterkopf.
Wie dem auch sei, wir haben das Forum mit geringem Datenverlust, zwei oder drei Bildanhänge, wieder aufgesetzt, war zwar ne Menge Frickelarbeit für meinen Kumpel aber er hat es hingekriegt. Ich drückte ihm anschliessend meine Dankbarkeit in Met aus.
Fürs erste waren wir sicher, aber ich selber wusste, bei diesem Billighoster können wir nicht bleiben, es war mir einfach zu heiss. Aus diesem Grund plante ich schon lange im Voraus den nächsten Schritt und setzten ihn kein halbes Jahr in die Tat um. Was schon anschliessend an den ersten Umzug folgte war eine Phase der Erleichterung, es verschwand ein unglaublicher Druck und endlich hatte man wieder das Gefühl frei entscheiden zu können, die Gesprächskultur verbesserte sich stark und wir schafften es, zwar zugegeben mit primitiven Mitteln, unsere alten Perlen aus der Anfangszeit des Paganrealm wieder zurückzuholen. Etwas was unser Fachmann nie wirklich wollte. Ausserdem hatten wir in diesem Jahr praktisch keinerlei Ausfälle mehr zu verzeichnen, etwas was beim vorherigen Hoster leider immer wieder vorkam. Jetzt ist das erste Jahr ohne unseren Fachmann um, in Kürze folgt das Update der Forensoftware und wir stehen bestens da. Wir sind nicht totzukriegen.


Es macht wieder richtig Spass.

Montag, 21. Dezember 2009

Wenn einem die Haare zu Berge stehen...

Manchmal frage ich mich echt ob wir in demokratischen, rechtstaatlichen Gefilden leben. Wenn ich solche Sachen lese wie hier in diesem Blog, dann frage ich mich ernsthaft inwiefern sich manche Ordnungshüter der westlichen Welt von den Terrorbrigaden der Mullahs, den uniformierten Diktatorschergen einer Bananenrepublik oder von den ehemaligen Ordnungskräften der Securitate oder der Gestapo unterscheiden. Ehrlich gesagt bin ich entsetzt, denn einen ähnlichen Bericht konnte ich schon im Forum des Godemort nachlesen, doch dünkte mich der stark übertrieben. Wie ich sehe ist der doch nicht so ganz an der Realität vorbei.
Solche Leute sind eine Schande für jede staatliche Ordnungsmacht und wecken Erinnerungen an eine Zeit, die wir eigentlich langsam überwunden haben wollen.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Ein heilsamer Schock

So der Titel eines sehr interessanten Artikels von Andres Büchi zur aktuellen Islamophobiedebatte. Ein Artikel der endlich Schluss macht mit dieser pauschalen Verurteilung und der Abstempelung der breiten Bevölkerung zu verdummten Rassisten denen man am Besten das Wahlrecht entziehen sollte. Endlich wird mal Hintergrundsmaterial geliefert und nach wirklichen Gründen für dieses Resultat gesucht, kein Verdammen oder Geheule, sondern die klare Feststellung das zwischen dem Volkswillen und den Vorstellungen der Regierung eine Diskrepanz bestand, das jahrelang Ängste der Menschen ignoriert wurden und man so der Volkspartei unfreiwillig mit gutmenschlicher Ignoranz den Weg geebnet hat. Dieser kapitale Fehler hat sich vor einiger Zeit an der Urne bitter gerächt, hat aber auch etwas Positives: man spricht über die Problematik. Dies ist eine Chance endlich über die Bücher zu gehen und zu einer offenen Gesprächskultur zurückzufinden, wo Kritik an der Einwanderungs- und Asylpolitik nicht pauschal als Fremdenhass oder Xenophobie zurückgewiesen wird.
Diese Abstimmung war, wie im Artikel beschrieben, eine Unmutsäusserung an der Urne und hoffe wirklich inständig das sie erhört wird und man handelt ohne irgendwelche prestigeträchtige, aber unwirksame Schnellschüsse zu produzieren.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Der grosse Trog und die Minarettgegner

Der grosse Trog könnte bald kleiner werden, denn diese Tage steht die Vorratsdatenspeicherung vor Gericht. Ein Hoffnungsschimmer am Firmament der Bürgerrechte, denn so könnte vielleicht der behördlichen Sammelwut und pauschalen Kriminalisierung (Generalverdacht) der Bürger in Deutschland ein Riegel geschoben werden. Ich hoffe mal das dies gewisse Signalwirkung hat und somit der Polizeistaat nicht salonfähig bleibt, denn man muss sich schon fragen ob sich eine Demokratie mittels Methoden einer Diktatur selbst erhalten darf und ob diese dann noch glaubwürdig ist. Irgendwie hatten wir das alles auch schon mal....

Höchst umstritten ist seit der Sendung "Club" auf SF1, Leute die des Alemannischen mächtig sind können die Sendung natürlich gerne auf youtube nochmal ansehen, der Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). In einem ziemlich unpassenden Vergleich stellt er sämtliche Befürworter der Initiative nachträglich auf die Stufe von Nazis und Antisemiten, ebenfalls kann zeigt er eine deutliche Geringschätzung für die aktuellen Ängste der Menschen, denn Dank nicht ernstgenommener Ängste ging diese Abstimmung regelrecht diesem Ergebnis entgegen. Da aber jedoch ausser Verboten gegen die Abstimmungsplakate und öffentlicher Entrüstung nicht viel getan wurde hat mich das Ergebnis irgendwie auch nicht verwundert. Jetzt hat man dank blauäugigem Handeln und gutmenschlichem Denken (im Sinne von:"die Bürger werden schon richtig Abstimmen.") letztendlich den Salat. Jetzt scheint es mir, als ob man mit fragwürdigen Methoden und endloser, moralisierender Lamentiererei versucht Schadensbegrenzung unter Missachtung und Entmündigung des Bürgers zu üben. Und wieder hat man nichts gelernt, nur wenige Charakterköpfe im linken Lager äussern Einsicht, der Rest geisselt die Befürworter als Rassisten und möchte ihnen anscheinend am liebsten sämtliche Verantwortung als Souverän des Landes entziehen anstatt über die Bücher zu gehen. Willkommen in Absurdistan.
Derweilen nutzen auch die Fundamentalisten unter den Muslimen die Gunst der Stunde und schiessen den Gemässigten Glaubensbrüdern ordentlich in den Rücken. Bei einer Grosskundgebung letztes Wochenende in Bern sollte gegen Islamhetze demonstriert werden. Dabei sollte kein geringerer als Abu Hamza aka Pierre Vogel Gastredner sein, was ich auf den ersten Blick als das dümmste Eigentor dieser Zeit erachte, man will etwas für den Islam tun und holt sich einen Islamisten. Ich weiss nicht was die Veranstalter geritten hat, glücklicherweise wurde Herrn Vogel die Einreise verweigert, aber so macht man einen einen umstrittenen Volksentscheid auch nicht rückgängig, im Gegenteil, man begünstigt solche Ergebnisse in der Zukunft.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Endlich geschafft

Seit Ende November mussten wir im Haus einige Arbeiten und ein stetiges Kommen und Gehen der Handwerker über uns ergehen lassen. Nach dem Einbau neuer Briefkästen, der Abwasserleitungssanierung und dem Anbau eines Geländers zur Erhöhung der Balkonbrüstung war dieses Mal die Trinkwasserleitung dran. Unser Wohnblock ist ein von der Liegenschaftsverwaltung gut gepflegter Bau aus den 50er Jahren. Schon vor langer Zeit hat man hier die Isolation nachgerüstet um die Heizkosten zu senken, jede Wohnung hat einen Ethernetanschluss und somit problemlosen Zugang zum Internet. Abgerundet wird das ganze durch gut isolierte Fenster, eine moderne Einbauküche und helle Räume. Aber eben, die Trinkwasserleitungen waren langsam aber sicher wegen zunehmender Korrosion hinüber, so dass es für die Wasserqualität wirklich nicht mehr so ganz zum Besten stand. Anstatt jedoch das Ganze aus den Wänden zu reissen, was einen Riesenaufwand nach sich gezogen hätte, entschied man sich dafür die Rohre von innen her zu erneuern und sie mittels einer Innenbschichtung zu sanieren. Nicht destotrotz war damit einiges an Aufwand und für die Mieter einiges an Unanehmlichkeiten verbunden. Es war nicht nur das wir an gewissen Tagen kein fliessend Wasser hatten oder das mit der Revision der Kaltwasserleitung weder Geschirrspüler noch Klo funktionierten, auch standen die Wohnungen den ganzen Tag für die Handwerker offen und desweiteren war da noch jede Menge Lärm und Dreck. Es gab Tage, da bin ich regelrech aus meinem Domizil geflüchtet und war dankbar, dass ich eine zeitlang zumindst Vollzeit arbeiten konnte, so kam ich zum Glück erst nach Hause als der Spuk meist vorbei war. Mit der Zeit erkannte ich dann ein weiteres Problem, ich konnte meine Wohnung nicht wirklich putzen, die von den Arbeitern ausgelegten, selbstklebenden Matten ersparten mir zwar Fussabdrücke, doch sammelten sich an deren Rändern Staub, Hausstaub um genau zu sein, und genau den bekam ich nicht wirklich weg. Es dauerte also nicht lange bis mir eines Abends aus heiterem Himmel das Blut aus der Nase schoss und ging weiter mit Kopfschmerzen und erkältungsähnlichen Symptomen, meine Allergie meldete sich in voller Pracht zu Wort.
Ich war jedoch nicht der einzige der unter dieser ganzen Geschichte zu leiden hatte und verglichen mit dem was meine Nachbarin erlebte ist das meinige Leid Kinderkram. Sie hatte dieses Jahr die Diagnose Dickdarmkrebs erhalten, wurde operiert und musste ein Weilchen mit einem künstlichen Darmausgang leben. Genau vor dem ganzen Trubel musste sie wieder zur Rückverlegung des Ausgangs in Krankenhaus und kam just dann zurück als kein Wasser vorhanden und das was aus der Dusche oder dem Hahn kam einfach zu heiss war. In einer Nacht und Nebelaktion kam der Hausverwalter selber nochmal vorbei und stellte die Wassertemperatur auf eine erträglichere Stufe ein.
Zum Glück ist es jetzt endlich geschafft, die Arbeiten sind soweit abgeschlossen und ein kleines Dankeschön für unser Ausharren fanden wir am letzten Tag in unseren Briefkästen. Ein Schreiben wofür sich die Hausverwaltung für die Umstände entschuldigt und sich für unsere Geduld bedankt und eine kleine Mietkostenrückerstattung in Bar.
Die Hausverwaltung hier ist eben doch Gold wert.